Chiemsee
Chiemsee

Palling – ein Dorf in Bayern, im Hintergrund die beeindruckende Bergkulisse der Alpen. Dort werde ich 1965 geboren. Meine Mutter wächst am Chiemsee auf. Ihr Vater fällt in den letzten Wochen des zweiten Weltkriegs an der Ostfront. Ihre alleinerziehende Mutter kämpft sich als Haushaltshilfe durch die schwere Nachkriegszeit. Selbst das Essen ist oft knapp. Eine gute Ausbildung bietet die Chance auf ein besseres Leben. So macht meine Mutter eine Ausbildung als Technische Zeichnerin. Mein Vater kommt aus einem Berg-Dorf an der Grenze zu Tirol. Er macht eine Lehre als Werkzeugmacher, studiert auf dem zweiten Bildungsweg und arbeitet als Ingenieur für Luft- und Raumfahrt. Während meiner Kindheit ziehen wir mehrmals um, bevor wir uns in Siegertsbrunn niederlassen, einem Dorf im Einzugsbereich von München.

Was mich in meiner Jugend bewegt

In Neubiberg gehe ich ins Gymnasium, die Schule macht mir Spaß. Meine Freizeit verbringe ich am liebstem auf dem benachbarten Bauernhof bei meinem Haflinger Pflegepferd. Ich versorge auch die Kälber und helfe bei der Ernte, das weckt meine Begeisterung für die Landwirtschaft. Am Wochenende geht es meist mit meinen Eltern und meiner Schwester zum Bergsteigen oder Skifahren. Die katholische Landjugendbewegung weckt mein Interesse an den Problemen der „Dritten Welt“. Ich engagiere mich für den Fairen Handel, bin Gründungsmitglied einer Genossenschaft, die in München einen Weltladen aufbaut. Fasziniert lese ich Bücher über Che Guevara, die Befreiungsbewegungen im globalen Süden und über die Geschichte der Arbeiterbewegung.

Ausbildung

Zeitungsbericht: Eine Dame zeigt den Herren, was eine Furche ist

Nach dem Abitur 1984 zieht es mich in die Praxis. Ich mache eine Ausbildung zur Landwirtin, für Frauen damals ungewöhnlich. Ich gewinne einen Kreiswettbewerb im Pflügen, dazu titelt die lokale Presse: „Eine Dame zeigt den Herren, was eine Furche ist.“

1986 beginne ich mein Studium der Agrarwissenschaften in Weihenstephan, der Agrarfakultät der TU München. Ich engagiere mich in der Fachschaft, bin studentische Vertreterin im Senat. Um die Landwirtschaft im globalen Süden kennenzulernen, lege ich ein Auslandsjahr ein. Ich mache ein Praktikum in Kamerun, helfe bei tropischer Hitze einer Bäuerin beim Hacken ihres Maisfelds. In Paraguay lerne ich eine Genossenschaft kennen, in Chile arbeite ich auf einer großen Rinderfarm. Für meine Diplomarbeit arbeite ich vier Monate bei einem Entwicklungsprojekt in Malaysia. Zur Promotion gehe ich 1992 an die Universität Göttingen. Ich befasse mich mit der Rolle der Tierhaltung für die Überwindung von Armut. Die Forschung dazu führt mich für fast zwei Jahre nach Sri Lanka. In meiner Habilitation geht es um die Frage: Wie kann man tropische Öko-Systeme schützen und gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten für die kleinbäuerliche Bevölkerung schaffen? Dazu forsche ich in Indonesien, Thailand, Vietnam und Guatemala.